Menschen essen Eier als wertvolle Quelle für Protein wohl schon seit Jahrhunderttausenden. Natürlich kommt es darauf an, wo der Eintritt des modernen Menschen Homo Sapiens in der Zeitskala nun genau verortet wird – doch Wachteleier dürften mit größter Sicherheit schon damals in der Urzeit auf dem Speiseplan der Steinzeitmenschen zu finden gewesen sein. Wilde Wachteln leben überall auf der Erde und heutige Traditionen um das Ei wie zum Beispiel im Fernen Osten Asiens gehen wohl auf sehr alte Bräuche und Sitten zurück.

Medizinische Anwendung und kulinarische Raffinesse gehen dabei von Anbeginn der Zeiten Hand in Hand beim Wachtelei. Es schmeckt schlichtweg anders als das Ei von Huhn oder Pute und die oftmals als „wildes, würziges Aroma“ beschriebene Geschmacksnote ist dem Mythos rund um das Wachtelei genauso zuträglich wie die einstige Seltenheit, schließlich müssen die Nester in der freien Natur oft sehr aufwendig gesucht werden bei einer in Vorzeiten oft groß angelegten Pirsch. Heute setzt man auf die umfassende Zucht, doch nicht immer werden dabei die üblichen Standards für den Tierschutz eingehalten – es ist daher Vorsicht angebracht bei Produkten aus China, wo häufig die schnellstmögliche Brut der Eier vor jeglicher Verantwortung sowohl gegenüber dem Tier wie auch den menschlichen Verbrauchern geht.

Schon im Alten Ägypten ein Muss für Feinschmecker

Ausgrabungen zu Fuße der Pyramiden oder im Tal der Könige zeigen Spuren von Wachteleiern und offenbar haben die Ägypter der Delikatesse einen besonderen Platz auf dem Tisch reserviert. Es gab seit dem Alten Reich sogar eine eigene Hieroglyphe für die Küken der Wachtel – dort stand der Jungvogel mit dem typisch nach oben gereckten Kopf für die Laute U und W. Das ägyptische Alphabet ist mittlerweile in der Forschung entschlüsselt und so ist es beispielsweise bezeichnend, dass Tutanchamun diese Laute im Namen trägt – der Kindskönig ist wegen seines nahezu unberührten Grabes in Theben berühmt, das bekanntlich Howard Carter vor nunmehr bald 100 Jahren entdeckte. Zwar war die Wachtel kein mythischer Vogel am Nil wie etwa der Ibis, doch die Verwendung des Geflügels ausgerechnet im Alphabet, das drückt schon eine besondere Bedeutung aus. Ob das freilich mit dem Geschmack, Aroma und der gesundheitlichen Wirkung von Wachteleiern damals schon zu tun hatte, wissen wir und auch die Ägyptologen bisher noch nicht.

Vom Mittelalter in die Neuzeit

Im Europäischen Mittelalter fand das Wachtelei ebenso rege Verbreitung. Dazu sind die Schriften der großen Mystikerin Hildegard von Bingen bezeichnend, die den Wachteleiern eine direkte Stärkung des Organismus zusprach. Diese Rezepte, Kuren und Erklärungen lohnen sich heute noch zu lesen, schließlich gibt die berühmte Heilige eine Menge Tipps und Anwendungen, die unverändert ihre Gültigkeit behalten haben. Nicht nur bei Wachteleiern, sondern auch bei Kräutern und Heilpflanzen kannte sich die zu himmlischen Ehren erhobene Hildegard bestens aus – ihre Aufzeichnungen ins Neudeutsche sind in gut sortierten Buchhandlungen zu finden. Hier setzen übrigens auch moderne Heilpraktiker an und halten ein verbessertes Immunsystem, eine Linderung von Allergien und die Bekämpfung von Hauterkrankungen mit Hilfe der Eier für möglich. Offensichtlich fungiert die Delikatesse wie ein biologischer Booster und es gibt umfassende Kuren zur Behandlung vieler Leiden.

Wer zudem heute durch Asien reist, der kommt an Wachteleiern kaum vorbei: Egal ob beim Barbecue an der Straße oder beim Sonnenbaden am Strand – stets sind fliegende Händler in der Nähe, die neben Nüssen, Früchten und Reispapier immer auch das Ei der Wachtel dabeihaben. Der Vogel kommt natürlich in diesen Regionen besonders häufig vor und viele Einheimische verstehen zwar, dass Europäer den Geschmack sehr schätzen, halten die Eier jedoch allein schon aufgrund der allgemeinen Verfügbarkeit eher für einen Snack als für eine teure, unvergleichliche Feinkost! Meistens gibt’s von den umherstreunenden Händlern eine Handvoll der kleinen Köstlichkeit, verpackt im Beutelchen und wie selbstverständlich gehören Wachteleier dann wirklich überall zu den alltäglichen Snacks zwischen Japan und Vietnam.

Die Zucht von wilden Wachteln

Die Wachtel ist der kleinste Hühnervogel, der fast überall auf der eurasischen Kontinentalplatte vorkommt. Durch Jagd und Landwirtschaft ist der Bestand an wilden Wachteln freilich stark zurückgegangen und der Mensch hat mittels Züchtung die nötigen Maßnahmen ergriffen, um die ständig steigende Nachfrage nach dem Ei zu sichern. In Deutschland zum Beispiel ist die Jagd auf wilde Wachteln schon sehr lange verboten und heute kommen die meisten Wachteleier dann von den Bauernhöfen mit entsprechender Zucht der Vögel. Hier sind vor allem die Japanischen Legewachteln von Bedeutung, die im Jahr um die 200 Eier legen. Die Haltung ist nicht sonderlich kompliziert und auch in Europa gibt es eine Menge Züchter, die den Markt dann auch mit den begehrten Wachteleiern versorgen.

Hier ein wenig nachzuforschen lohnt sich für alle, die gerne öfters Wachteleier auf dem Tisch haben. Später werden wir hier noch über den Einkauf und Erwerb etwas mehr erzählen, aber zuverlässige Züchter sind zwar nicht schwer zu finden, zugleich aber auch nicht überall vorhanden! Aufgrund der Beliebtheit der Eier tummeln sich vor allem in Asien eine Menge Glücksritter in diesem Gewerbe und wie bei den Hühnern auch werden Wachteln dabei fast nie optimal oder gar in natürlicher Umgebung gehalten. Zwar hat die Haltung direkt Einfluss auf die Anzahl der gelegten Eier, doch Geschäftemacher in China oder Indien züchten in den Käfigen dann einfach mehr Wachteln und gleichen Qualität durch Quantität aus.